Hauskauf-Gutachten
Vor der Unterschrift Klarheit: versteckte Mängel erkennen, Sanierungskosten einschätzen, den Preis fundiert verhandeln.
Der Hauskauf ist für die meisten die größte Investition ihres Lebens, und die Besichtigung dauert oft nicht länger als eine Stunde. In dieser Stunde entscheidet sich, ob Sie ein solides Haus kaufen oder eine Baustelle mit Einbauküche. Ich gehe mit und sage Ihnen, worauf Sie sich einlassen.
Warum die Prüfung vor dem Kauf so viel wichtiger ist als danach
Notarielle Kaufverträge über Bestandsimmobilien schließen die Sachmängelhaftung fast immer aus. Gekauft wird wie besehen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der Verkäufer einen ihm bekannten Mangel arglistig verschwiegen hat, und genau das ist im Streit schwer zu beweisen, weil Sie das Wissen des Verkäufers nachweisen müssen, nicht nur den Mangel.
Praktisch heißt das: Nach der Unterschrift gehört jeder Schaden Ihnen, auch der, den Sie nicht gesehen haben. Vor der Unterschrift ist jeder gefundene Mangel dagegen ein Verhandlungsargument oder ein guter Grund abzusagen. Das Verhältnis von Aufwand zu Wirkung ist an keiner anderen Stelle im Kaufprozess so günstig.
Worauf ich beim Ortstermin schaue
Ich arbeite eine feste Systematik ab, damit nichts durch die Aufregung des Termins verloren geht. Der Schwerpunkt liegt auf den Bauteilen, deren Instandsetzung wirklich Geld kostet:
Keller und Gründung
Feuchtigkeit an Wänden und Boden, Salzausblühungen, Verfärbungen, Zustand von Abdichtung und Drainage, Hinweise auf Setzungen. Ein feuchter Keller ist nicht automatisch ein Ausschlussgrund, aber es macht einen großen Unterschied, ob Wasser von außen eindringt oder Feuchte im Mauerwerk aufsteigt.
Dach und Dachstuhl
Deckung, Anschlüsse, Kehlen, Dachfenster, Zustand des Holzes, Anzeichen für frühere Undichtigkeiten, Dämmung und Luftdichtheit. Das Dach ist der Posten, der die Kalkulation am schnellsten sprengt.
Fassade, Fenster und Anschlüsse
Risse, Putzschäden, Zustand einer vorhandenen Dämmung, Sockelbereich, Fenster und deren Anschlüsse. Bei Fenstern zählt nicht nur das Alter, sondern die Einbausituation.
Innenräume und Nassbereiche
Bäder sind Dauerthema, weil Abdichtungsfehler dort erst nach Jahren auffallen und dann eine Etage tiefer. Dazu Bodenaufbauten, Anzeichen für Feuchtigkeit hinter Möbeln, Schimmel in Ecken und an Fensterlaibungen.
Technik
Alter und Zustand von Heizung, Elektroinstallation und Wasserleitungen. Hier geht es weniger um Funktion als um den Nachholbedarf: Eine Elektroinstallation ohne Fehlerstromschutz oder eine Heizung nahe am Lebensende sind planbare, aber erhebliche Kosten.
Auffälligkeiten der Bauzeit
Je nach Baujahr gibt es typische Themen, die man kennen muss. Bei Gebäuden bis in die 1990er Jahre können asbesthaltige Materialien verbaut sein, etwa in Fliesenklebern, Spachtelmassen, Bodenbelägen oder Dach- und Fassadenplatten. Das ist kein Grund für Panik, aber es verändert die Kalkulation für jede spätere Sanierung erheblich, weil solche Arbeiten nach TRGS 519 durchgeführt werden müssen. Die entsprechende Sachkunde gehört zu meiner Qualifikation, deshalb erkenne ich diese Materialien im Termin.
Was bei einer Besichtigung nicht möglich ist
Das gehört zur Ehrlichkeit dazu: Ohne Zustimmung des Eigentümers sind keine Eingriffe in die Bausubstanz erlaubt, also keine Bauteilöffnungen und keine Materialproben. Verdeckte Leitungen, Abdichtungen unter Terrassen oder Belägen und der Zustand im Inneren von Bauteilen bleiben eine begründete Einschätzung anhand von Indizien. Wo ein Risiko nicht ausgeschlossen werden kann, sage ich das ausdrücklich, statt eine Sicherheit zu behaupten, die es nicht gibt. Sie können dann bewusst entscheiden, ob Sie dieses Risiko tragen oder ob es in den Preis gehört.
Melden Sie sich früher, als Sie denken
Gute Objekte sind schnell weg, und der Termin muss zwischen Verkäufer, Makler und mir zusammenpassen. Rufen Sie deshalb an, sobald ein Objekt für Sie ernsthaft in Frage kommt, nicht erst wenn der Notartermin steht. Bei knappen Fristen lässt sich oft noch etwas organisieren.
Ablauf
- Kurzes Vorgespräch zum Objekt, gern mit Exposé und vorhandenen Unterlagen
- Gemeinsame Besichtigung mit systematischer Prüfung, in der Regel ein bis zwei Stunden
- Mündliche Ersteinschätzung direkt vor Ort, damit Sie noch am selben Tag entscheiden können
- Auf Wunsch schriftliche Zusammenfassung der Befunde mit Fotos und Einordnung des Sanierungsbedarfs
Für die Verhandlung ist die mündliche Einschätzung oft schon der entscheidende Teil, weil sie schnell verfügbar ist. Die schriftliche Fassung lohnt sich, wenn Sie den Sanierungsbedarf gegenüber dem Verkäufer belegen oder gegenüber der Bank darstellen wollen.
Was das mit dem Preis macht
Ein konkret benannter Sanierungsbedarf ist ein Argument, das im Gespräch trägt, weil es überprüfbar ist. Der Satz, das Dach sei alt, ändert keinen Preis. Die Aussage, welche Bauteile in welchem Zeitraum erneuert werden müssen und in welcher Größenordnung das liegt, verändert eine Verhandlung. Und in manchen Fällen ist das Ergebnis, dass ein Objekt seinen Preis wert ist. Auch das ist eine nützliche Information, denn dann kaufen Sie ohne den Zweifel, der sonst bleibt.
Soll zusätzlich der Verkehrswert ermittelt werden, etwa für die Bank oder als Verhandlungsgrundlage, gehört das zur Immobilienbewertung. Eine kompakte Liste zum Mitnehmen finden Sie in der Hauskauf-Checkliste. Beim Neubau oder Bauträgerobjekt ist statt der Kaufberatung die Bauabnahme der richtige Ansatz.
Häufige Fragen dazu
Wann sollte ich das Haus prüfen lassen?
Vor der Unterschrift beim Notar und am besten schon vor dem verbindlichen Angebot. Ist der Kaufvertrag beurkundet, haben Sie kaum noch Handhabe. Wer den Termin früh legt, kann Sanierungskosten in die Verhandlung einbringen oder in Ruhe absagen. Auch bei knappen Fristen lässt sich meist ein gemeinsamer Besichtigungstermin organisieren.
Haftet der Verkäufer nicht für Mängel?
Bei gebrauchten Immobilien praktisch nicht, die Sachmängelhaftung wird im Notarvertrag fast immer ausgeschlossen. Anders beim Kauf vom Bauträger oder bei neu errichteten Gebäuden, dort bestehen Mängelansprüche wie beim Bauvertrag. Für den Bestandskauf heißt das: Was Sie vor der Unterschrift nicht gefunden haben, gehört danach Ihnen.
Was lässt sich bei einer Besichtigung nicht prüfen?
Verdecktes bleibt verdeckt: Ohne Zustimmung des Eigentümers sind keine Bauteilöffnungen und keine Proben möglich, dort bleibt es bei einer begründeten Einschätzung anhand von Indizien. Benannte Restrisiken lassen sich aber verhandeln, etwa über einen Preisabschlag oder eine vereinbarte Nachprüfung vor dem Notartermin.
Lohnt sich die Prüfung auch beim Neubau?
Ja, dort besonders. Beim Neubau oder Bauträgerobjekt geht es um die Bauabnahme und die Zeit davor, weil mit der Abnahme die Beweislast auf Sie übergeht. Sinnvoll ist eine begleitende Kontrolle während der Bauphase und eine fachliche Abnahme vor der Unterschrift.
Vor dem Hauskauf prüfen lassen
Schicken Sie mir das Exposé und den Wunschtermin für die Besichtigung. Ich sage Ihnen direkt, ob es zeitlich passt und worauf ich bei diesem Objekttyp besonders schauen werde.
Eine frühzeitige Beratung kann Ihnen hohe Kosten und rechtliche Probleme ersparen. Vereinbaren Sie jetzt eine unverbindliche Erstberatung.