Schimmel in der Wohnung
Woher Schimmel kommt, was Sie selbst ändern können und wo die Grenze zwischen Lüftungsfehler und Baumangel liegt.
Schimmel in der Wohnung führt fast immer zu derselben Diskussion: falsch gelüftet oder Baumangel. Beides kommt vor, und man kann es unterscheiden. Dieser Beitrag erklärt, wie Schimmel entsteht, was Sie selbst prüfen und ändern können und ab wann es fachlich wird.
Warum Schimmel wächst
Schimmelpilzsporen sind in jeder Wohnung in der Luft. Das ist normal und lässt sich nicht vermeiden. Sie wachsen erst, wenn sie über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit auf einer Oberfläche finden. Dafür braucht es keinen Wasserschaden, es genügt, wenn eine Wandfläche kühl genug ist, dass die Luftfeuchtigkeit dort auskondensiert.
Das ist der Punkt, den man verstehen muss, weil daran alles hängt: Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Kühlt Luft an einer kalten Wand ab, sinkt ihre Kapazität, und der Überschuss schlägt sich als Wasser nieder. Ein Beispiel mit typischen Wohnwerten: Bei 20 Grad Raumtemperatur und 60 Prozent relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei etwa 12 Grad. Jede Fläche im Raum, die kälter als 12 Grad ist, wird feucht. Hinter einem Schrank an der Außenwand ist das im Winter schnell erreicht.
Die fünf Ursachen, und woran Sie sie erkennen
| Was Sie beobachten | Häufige Ursache |
|---|---|
| Befall in Raumecken, an Fensterlaibungen, hinter Möbeln an Außenwänden | Wärmebrücke, Kondensat an kühler Oberfläche |
| Scharf begrenzter Fleck, der nach Regen größer wird | Feuchtigkeit dringt von außen ein, etwa über Dach, Fassade oder Sockel |
| Feuchter Streifen im unteren Wandbereich im Keller oder Erdgeschoss | aufsteigende Feuchte, fehlende oder defekte Horizontalsperre |
| Befall in einem Bereich, in dem es früher einen Wasserschaden gab | Restfeuchte im Bauteil, Trocknung war nicht ausreichend |
| Befall in mehreren Räumen, vor allem im Bad und Schlafzimmer | zu hohe Raumluftfeuchte, Heizen und Lüften passen nicht zum Gebäude |
Diese Zuordnung ist ein erster Hinweis, kein Beweis. Häufig wirken zwei Ursachen zusammen, etwa eine Wärmebrücke, die bei normalem Lüften unproblematisch wäre, in Kombination mit einer Wohnsituation, in der viel Feuchtigkeit anfällt.
Was Sie selbst prüfen können
Besorgen Sie sich ein Hygrometer, es kostet wenig und beendet die meisten Vermutungen. Stellen Sie es in den betroffenen Raum und notieren Sie über zwei Wochen morgens und abends Temperatur und Luftfeuchte. Das ergibt eine Datenbasis, mit der man arbeiten kann, und es ist auch bei einer Auseinandersetzung mit dem Vermieter deutlich wirksamer als eine Beschreibung.
Sinnvolle Werte in Wohnräumen liegen bei 40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchte. Liegen Sie dauerhaft darüber, ist Lüften und Heizen der erste Ansatz. Liegen Sie im Rahmen und haben trotzdem Schimmel, deutet das auf das Gebäude hin, nicht auf die Nutzung. Genau diese Unterscheidung ist der Kern jeder Auseinandersetzung.
Richtig lüften und heizen
Es geht nicht um mehr, sondern um anders. Ein gekipptes Fenster ist der ungünstigste Fall, weil es die Laibung auskühlt und dabei kaum Luft austauscht. Wirksam ist Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern:
- Winter etwa 5 Minuten, Frühling und Herbst 10 bis 15 Minuten, Sommer 20 bis 30 Minuten
- Zwei bis vier Mal täglich, dazu direkt nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen
- Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern ist am wirksamsten und braucht am wenigsten Zeit
- Heizkörper beim Lüften kurz herunterdrehen, danach wieder auf die vorherige Stufe
- Türen zu feuchten Räumen beim Lüften geschlossen halten, damit die Feuchte nicht in kühlere Räume wandert
- Räume nicht auskühlen lassen, in genutzten Räumen möglichst nicht unter 16 bis 18 Grad
- Möbel und Vorhänge einige Zentimeter von Außenwänden abrücken, damit Luft an die Fläche kommt
Der letzte Punkt zum Auskühlen ist wichtig und wird oft falsch gemacht: Ein Raum, der zum Sparen dauerhaft kalt gehalten und mit Luft aus wärmeren Räumen versorgt wird, ist der ideale Ort für Schimmel. Sparen funktioniert über gleichmäßiges Heizen, nicht über kalte Zimmer.
Vorhandenen Befall entfernen
Das Umweltbundesamt empfiehlt, sichtbaren Schimmel in Innenräumen grundsätzlich zu entfernen, unabhängig von der Art des Pilzes. Für das Vorgehen zählt die Größe:
- Kleine oberflächliche Stellen bis etwa einen halben Quadratmeter können Sie selbst behandeln, auf glatten Oberflächen mit einem feuchten Tuch und hochprozentigem Alkohol, mit Handschuhen, Schutzbrille und FFP2-Maske, bei geöffnetem Fenster
- Nicht trocken abschleifen, abbürsten oder absaugen, das verteilt die Sporen in der Wohnung
- Textilien, Tapeten, Gipskarton und poröse Materialien lassen sich nicht sinnvoll reinigen, sie müssen raus
- Größere Flächen, Befall im Bauteil oder wiederkehrender Schimmel gehören in fachliche Hände
- Bei Bewohnern mit Asthma, Allergie oder geschwächtem Immunsystem gilt ein zurückhaltender Maßstab, hier lieber früher fachlich prüfen lassen
Anti-Schimmel-Farbe löst nichts
Spezialfarben und Reiniger entfernen das Sichtbare und verschieben das Problem um einige Monate. Solange die Feuchtequelle bleibt, kommt der Befall zurück, meist an derselben Stelle. Wer zum dritten Mal dieselbe Ecke streicht, hat kein Farbproblem, sondern eine ungeklärte Ursache.
Mieter und Vermieter
Die Zuständigkeit hängt an der Ursache. Liegt ein Baumangel vor, ist der Vermieter zuständig, liegt es am Heiz- und Lüftungsverhalten, der Mieter. Praktisch läuft die Beweisführung gestuft: Der Vermieter muss zunächst ausschließen, dass die Ursache im Bereich des Gebäudes liegt, erst danach kommt es auf das Nutzungsverhalten an.
Zu Wärmebrücken hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass deren Vorhandensein in älteren Gebäuden allein noch keinen Mangel darstellt, wenn der zur Bauzeit übliche Standard eingehalten wurde. Das heißt nicht, dass Mieter dann immer im Nachteil sind. Es verschiebt die Frage darauf, welches Lüftungsverhalten in dieser Wohnung zumutbar ist, und darüber entscheiden Messwerte, nicht Behauptungen.
Für beide Seiten gilt derselbe Rat: Zeigen Sie den Schaden schriftlich an, halten Sie Zustand und Verlauf mit Fotos und Messwerten fest und suchen Sie die Ursache, bevor über Kosten oder Minderung gesprochen wird. Eine eigenmächtige Mietminderung ohne rechtliche Beratung ist riskant.
Wann ein Gutachten weiterhilft
Sinnvoll ist eine fachliche Klärung, wenn der Befall wiederkehrt, die Ursache unklar bleibt, Ihre Messwerte im normalen Bereich liegen und trotzdem Schimmel auftritt, ein Streit zwischen Mieter und Vermieter besteht oder Sie vor dem Kauf einer betroffenen Immobilie stehen. Was dabei untersucht wird und wie ein Sanierungskonzept aussieht, steht auf der Seite Schimmelgutachten. Steckt ein Wasserschaden dahinter, ist zusätzlich Wasserschaden-Gutachten relevant.
Häufige Fragen dazu
Wie oft und wie lange soll ich lüften?
Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern, zwei bis vier Mal täglich und direkt nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen, im Winter genügen etwa fünf Minuten. Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist die schlechteste Variante: Es kühlt die Laibung aus und tauscht kaum Luft.
Welche Luftfeuchtigkeit ist normal?
In Wohnräumen sind 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte sinnvoll, gemessen mit einem einfachen Hygrometer über zwei Wochen. Die Werte sind zugleich Ihr stärkstes Argument: dauerhaft darüber spricht für die Nutzung als Ursache, normale Werte trotz Schimmel für das Gebäude.
Kann ich Schimmel selbst entfernen?
Kleine oberflächliche Stellen bis etwa einen halben Quadratmeter ja, mit Schutzausrüstung und bei geöffnetem Fenster, niemals trocken abbürsten oder absaugen. Poröse Materialien wie Tapete und Gipskarton lassen sich nicht reinigen und müssen raus, größere oder wiederkehrende Flächen gehören in fachliche Hände.
Hilft eine Anti-Schimmel-Farbe?
Nur optisch und nur vorübergehend, an der Feuchtequelle ändern Spezialfarben nichts. Wer dieselbe Ecke zum dritten Mal streicht, hat kein Farbproblem, sondern eine ungeklärte Ursache, und sollte messen lassen, statt erneut zu streichen.
Warum bildet sich Schimmel hinter Möbeln?
Dort zirkuliert kaum Luft, die Wandfläche bleibt kühler und unterschreitet im Winter schnell den Taupunkt, dann kondensiert dort Feuchtigkeit. Einige Zentimeter Abstand zwischen Möbeln und Außenwand helfen bereits deutlich.
Schimmel, der immer wiederkommt?
Schicken Sie mir Fotos der Stellen und, wenn vorhanden, Ihre Messwerte. Oft lässt sich schon daran erkennen, ob die Ursache im Gebäude liegt oder in der Nutzung.
Eine frühzeitige Beratung kann Ihnen hohe Kosten und rechtliche Probleme ersparen. Vereinbaren Sie jetzt eine unverbindliche Erstberatung.